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Bewertungs-Spam bei Google: Was Unternehmen gerade sehen und warum sie es melden sollten

6 Min. Lesezeit

Bei einigen unserer Kunden tauchen in den letzten Wochen Bewertungen auf, hinter denen kein echtes Kundenerlebnis steht. Stattdessen bietet der “Bewerter” dem Unternehmen unter der Hand einen Service an: gegen Bezahlung sollen negative Google-Bewertungen entfernt werden. Das ist Spam, das verstößt klar gegen Googles Richtlinien, und es trifft gerade Unternehmen quer durch Branchen und Länder.

Die Masche läuft in zwei Geschmacksrichtungen, die unterschiedlich viel Aufmerksamkeit bekommen. Beide solltet ihr unbedingt bei Google melden, sobald sie auftauchen, selbst wenn es auf den ersten Blick gar nicht so dringlich aussieht.

Variante 1: Die getarnte 5-Sterne-Bewertung

Das ist die leisere Variante. Eine ganz harmlos aussehende positive Bewertung erscheint auf eurem Google-Profil. Schaut man auf den Text, steht da keine Erfahrung mit eurem Unternehmen, sondern direkt der Anwerbe-Pitch:

Please read this. I have noticed that your business has some negative reviews, which may harm your business reputation and future. I can professionally assist in removing these negative reviews and also help you gather positive ones. If you are interested in this service, please contact me via the details in my profile.

Oder in einer kürzeren Variante:

If you want to remove negative reviews from your Google Business, contact me via my profile; my contact details are listed there. After work you can pay.

Anonymisiertes Beispiel einer getarnten Spam-Bewertung mit Anwerbe-Text und SPAM-Markierung

Die Sterne sind nur Tarnung, der eigentliche Inhalt der “Bewertung” ist eine Werbenachricht für einen Dienst, der in fast allen Jurisdiktionen gegen Wettbewerbsrecht verstößt und bei Google selbst sowieso ausdrücklich verboten ist. Diese Variante ist in der Branchen-Berichterstattung noch wenig dokumentiert. Bei unseren Kunden sehen wir sie gerade verstärkt.

Variante 2: Die klassische 1-Stern-Erpressung

Die deutlich bekanntere Variante: innerhalb von 24 bis 48 Stunden schlägt ein Schwall negativer Bewertungen auf einem Google-Profil ein, oft mit erfundenen Service-Beschwerden. Wenig später kommt eine WhatsApp- oder E-Mail-Nachricht: “Wir nehmen sie wieder weg, wenn Sie zahlen.”

Das Pattern ist mittlerweile sehr gut dokumentiert. Joy Hawkins von Sterling Sky hat es im Februar 2026 ausführlich beschrieben, BrightLocal hat im Oktober 2025 einen Leitfaden veröffentlicht, ConsumerAffairs hat im September 2025 über betroffene Kleinunternehmer berichtet (Beispiel: eine Bauunternehmerin aus Los Angeles, deren Rating innerhalb weniger Tage von 5,0 auf 3,6 abstürzte), und Google selbst hat im November 2025 ein eigenes Beratungs-Update dazu veröffentlicht.

Die Konsequenz hier ist direkter und schmerzhafter: ein abgestürztes Rating kostet sofort echte Anfragen.

Warum auch die 5-Sterne-Variante gemeldet gehört

Eine getarnte 5-Sterne-Bewertung tut auf den ersten Blick weniger weh als ein Schwall 1-Sterne. Sie ist trotzdem Spam, und sie sollte aus mehreren Gründen genauso konsequent gemeldet werden:

  • Niemand will mit so einem Anbieter assoziiert werden. Wer auf den Reviewer-Namen klickt, landet auf einem Profil, das offen einen Service zur Manipulation von Google-Bewertungen anbietet, also etwas, das gegen Googles Richtlinien verstößt und in den meisten Ländern auch gegen Wettbewerbsrecht. So lange diese Bewertung steht, ist diese Verbindung sichtbar.
  • Andere Profilbesucher lesen den Pitch mit. Wer sich euer Google-Profil anschaut und auf die Bewertungen klickt, sieht den Solicitation-Text genauso wie ihr. Das wirkt unprofessionell, egal wie viele Sterne dahinterstehen.
  • Spam-Cluster bleibt Spam-Cluster. Google geht inzwischen aktiv gegen organisierte Bewertungs-Operationen vor, mit automatischen Pausen bei verdächtigen Bewertungs-Spitzen. Wenn dort fake Bewertungen stehengeblieben sind, kann das im schlimmsten Fall euer Profil mit treffen.

Kurz: Die Sternenanzahl ist Tarnung, der eigentliche Inhalt ist Werbung für einen Schwarzmarkt-Service. Genau dafür hat Google die Inhaltsrichtlinien und das Melde-Tool.

Wer steckt dahinter?

Hinter solchen Profilen stehen sogenannte Click-Farms, also Netzwerke mit Hunderten Fake-Accounts, die in Auftragsarbeit Bewertungen platzieren. Recherchen wie die von France 24 haben einzelne dieser Operationen offengelegt, mit Standorten quer durch Süd- und Südostasien. Verräterisch ist sowieso nicht der Name, sondern das Profil dahinter: solche Accounts haben außer dieser einen Bewertung praktisch keine Aktivität, kein Profilbild, keine Reviews bei anderen Unternehmen. Wer auf den Reviewer-Namen klickt, sieht das innerhalb von Sekunden.

So lasst ihr die Bewertung bei Google löschen

Spam-Bewertungen mit eingebettetem Service-Pitch verstoßen sehr klar gegen die Inhaltsrichtlinien von Google, sowohl gegen das Werbe- und Solicitation-Verbot (“posting email addresses, phone numbers, social media links, or links to other websites in your reviews”) als auch gegen die Off-Topic-Regel (eine Bewertung muss eine echte Erfahrung mit dem Unternehmen beschreiben). Ihr habt also eine starke Position für eine Löschung.

Drei Wege, mit absteigender Geschwindigkeit:

Weg 1: Bewertung direkt im Unternehmensprofil melden

  1. Bei business.google.com anmelden
  2. Auf “Bewertungen lesen” gehen
  3. Neben der betreffenden Bewertung auf die drei Punkte klicken
  4. “Rezension melden” auswählen
  5. Als Grund “Spam” angeben

Das dauert dreißig Sekunden und ist der schnellste Weg. Bearbeitungszeit nach Googles eigener Auskunft drei Werktage, in der Praxis oft länger, weil der automatische Filter den eingebetteten Pitch nicht immer als Spam erkennt.

Weg 2: Tool zum Verwalten von Bewertungen

Wenn der direkte Report nichts bringt, geht es über das offizielle Tool zum Verwalten von Bewertungen (die URL ist über die normale Google-Navigation kaum auffindbar, aber das ist die richtige). Dort könnt ihr:

  • den Status eurer Meldungen verfolgen,
  • bei Ablehnung Einspruch einlegen,
  • eine ausführliche Begründung nachreichen.

Bei der Begründung möglichst konkret werden: “Die Bewertung beschreibt keine Erfahrung mit unserem Unternehmen. Stattdessen bietet der Verfasser einen Service zur Entfernung negativer Bewertungen an und verweist auf Kontaktdaten in seinem Profil. Das ist ein direkter Verstoß gegen die Google-Inhaltsrichtlinie ‘Werbung und Solicitation’ und gegen ‘Off-Topic’.” So eine Begründung wird in der Eskalation durch einen menschlichen Reviewer geprüft, nicht mehr automatisch.

Weg 3: Falls Geld gefordert wurde

Wenn jemand bei euch tatsächlich Kontakt aufgenommen und für die Bewertungs-Entfernung Geld gefordert hat (Variante 2, klassische Erpressung), gehört das in Googles dediziertes Formular für Erpressungs-Versuche. Was dort hilft:

  • Screenshots der WhatsApp- oder Telegram-Konversation
  • Links zu den verdächtigen Bewertungen
  • Name, Telefonnummer, Profilbilder, alles was den Reviewer identifiziert

Solche Meldungen werden mit höherer Priorität bearbeitet, und in den meisten dokumentierten Fällen wird nicht nur die einzelne Bewertung entfernt, sondern das gesamte Reviewer-Profil gesperrt. Erfolgsquote nach Erfahrungsberichten deutlich höher als bei Weg 1.

Was ihr auf keinen Fall tun solltet

Auf die Nachricht oder den Pitch antworten. Sobald euer Profil als “reagiert” markiert ist, geht es nach dokumentierten Mustern meist so weiter:

  1. Es wird ein kleines “Pilot-Paket” angeboten, typisch 150 bis 300 Euro, dass ein paar tatsächlich regelwidrige Bewertungen (die Google sowieso entfernen würde) gemeldet werden. Der Spammer kassiert für eine Arbeit, die ihr selbst in zwei Minuten machen könntet.
  2. Bei der zweiten Zahlung wird auf Krypto gewechselt, danach ist die Rückverfolgung praktisch unmöglich, und Lieferung ist nicht garantiert.
  3. Manche Operationen eskalieren, also platzieren später echte 1-Stern-Bewertungen, um Druck aufzubauen, das ist genau das Muster, das oben in den BrightLocal- und Sterling-Sky-Berichten beschrieben ist.

Auch hier ist die richtige Antwort: nicht antworten, sondern Screenshots machen und über Weg 3 oben melden.

Was wir auf unserer Seite tun

Wenn euch so eine Spam-Bewertung in eurem Bewertungswald auffällt, schreibt uns einfach kurz an [email protected]:

  • Wir entfernen den dazugehörigen Baum sofort aus eurem Wald, damit die Spam-Bewertung euer Profil bei uns nicht weiter belastet.
  • Falls für diesen Baum schon eine Rechnung gelaufen ist, erstellen wir eine Gutschrift. Für gefälschten Inhalt zahlt ihr bei uns nichts.
  • Auf Wunsch helfen wir auch beim Formulieren der Meldung an Google, gerade die Begründung im Einspruchs-Formular entscheidet oft über Erfolg oder Nicht-Erfolg.

Was sich gerade verändert

Google reagiert auf solche Maschen mit besseren Filtern (Gemini-basierte Spam-Erkennung, automatische Pausen bei Bewertungs-Fluten) und mit mehr Transparenz, wie wir schon im Beitrag zu den Schmähkritik-Bannern auf Google Maps beschrieben haben. Im April 2026 hat Google die Bewertungs-Richtlinien noch einmal verschärft, und im Trust-and-Safety-Report nennt der Konzern die Zahl von 292 Millionen entfernten regelwidrigen Bewertungen für 2025, ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zwischen dem Start einer neuen Spam-Welle und dem Zeitpunkt, an dem Googles Filter sie zuverlässig erkennt, liegen aber praktisch immer Wochen. Wer in dieser Lücke nichts macht, lebt mit der sichtbaren Spam-Bewertung im Profil.

Deshalb das ungefähre Spielbuch für die nächsten Wochen: regelmäßig Bewertungen lesen, nicht nur Sterne zählen. Verdächtige sofort über Weg 1 oder 2 melden, bei Geldforderung über Weg 3. Auf keinen Fall zurückschreiben. Und falls die Bewertung in einem Wald bei uns liegt, einmal kurz Bescheid geben. Den Rest macht entweder Google oder wir.

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