Es ist eines dieser offenen Geheimnisse in der deutschen Bewertungsbranche: Negative Bewertungen auf Google Maps lassen sich oft erstaunlich einfach wieder loswerden. Einmal anwaltliche Abmahnung wegen angeblicher Schmähkritik eingereicht und zack, ist die unbequeme Bewertung weg. Egal, ob der Kunde in der Sache recht hatte oder nicht. Google muss erst einmal entfernen, um selbst aus der juristischen Schusslinie zu sein.
Das hat dazu geführt, dass manche Google-Profile auf Maps spürbar rosiger aussehen als die Realität dahinter. Und ehrliche Unternehmen, die sich auf diese Spielchen nie eingelassen haben, mussten zuschauen, wie Mitbewerber ihre Sternebewertung hochklagen.
Seit diesem Monat ändert sich das. Zumindest ein gutes Stück.
Was Google in Deutschland ändert
Google hat in einem Blogpost angekündigt, dass in Deutschland ab sofort Banner auf Unternehmensprofilen erscheinen, wenn Bewertungen wegen Schmähkritik-Beschwerden entfernt wurden. Nutzer sehen also direkt im Profil, dass hier Bewertungen gelöscht wurden und auch aus welchem Grund.
So sieht das in der Praxis aus (Screenshot, den wir heute selbst gemacht haben):

Zwei Beobachtungen aus unseren eigenen Tests: Der Banner taucht erst auf, wenn man auf den Reviews-Tab im Profil klickt, in der Übersicht sieht man ihn nicht. Und er wird (noch) nicht bei allen Unternehmen angezeigt, die in der Vergangenheit Bewertungen haben löschen lassen. Der Rollout scheint schrittweise zu passieren.
Die Community auf r/askberliners hat das ziemlich schnell entdeckt und freut sich bereits darüber, was das für die Aussagekraft von Google-Bewertungen in Deutschland in Zukunft bedeutet.
Zusätzlich bekommt man jetzt Hinweise, wenn das Bewerten auf einem Profil vorübergehend pausiert ist, etwa bei verdächtigen Aktivitäten wie koordinierten Bewertungs-Wellen.
Wie Google das genau zählt
Auf der Support-Seite zum neuen Banner liefert Google noch ein paar wichtige Details dazu, wie das Ganze funktioniert:
- Bereiche statt exakter Zahlen. Angezeigt wird in Stufen: 1 Bewertung, 2 bis 5, 6 bis 10, 11 bis 20, 21 bis 50, 51 bis 100, 101 bis 150, 151 bis 200, 201 bis 250 oder über 250.
- 365-Tage-Fenster. Gezählt werden nur Löschungen aus den letzten 365 Tagen. Ältere Löschungen fallen automatisch wieder aus dem Banner heraus.
- Erfolgreiche Einsprüche zählen nicht mit. Wenn ein Unternehmen erfolgreich Einspruch gegen eine Löschung eingelegt hat und die Bewertung wieder online ist, taucht sie hier nicht auf.
- Nur Schmähkritik-Beschwerden zählen. Andere Löschungen (Spam, Hassrede, allgemeine Richtlinienverstöße) fließen nicht in den Banner ein.
- Kein Einfluss auf das Ranking. Google stellt explizit klar, dass der Hinweis weder die lokale Rangfolge noch die Position in Suche oder Maps beeinflusst. Es geht um Transparenz, nicht um Bestrafung.
Und das ist längst nicht alles
Der Google-Blogpost hat noch ein paar weitere spannende Details im Gepäck:
Gemini filtert unpassende Änderungen schneller. Googles KI-Modelle erkennen jetzt besser, wenn jemand politisch oder gesellschaftlich aufgeladene Änderungen an Profilen vorschlagen will. Die werden direkt blockiert, bevor sie sichtbar werden.
E-Mails an Unternehmensinhaber. Verifizierte Inhaber bekommen jetzt proaktiv E-Mails, wenn jemand eine Änderung an ihrem Profil vorschlägt. So können sie reagieren, bevor falsche Infos online gehen.
Ein Schlag gegen Erpresser. Google geht gezielt gegen organisierte Erpressungsmaschen vor. Das Muster: Betrüger platzieren gefälschte negative Bewertungen (oder drohen damit) und bieten dem Unternehmen dann an, diese gegen Bezahlung wieder löschen zu lassen. Solche verdächtigen Beiträge werden jetzt blockiert, bevor sie überhaupt live gehen.
Automatische Pause bei Bewertungs-Fluten. Wenn auf einem Profil plötzlich extrem viele Bewertungen einschlagen (typisch für koordinierte Angriffe oder Fake-Kampagnen), entfernt Google die unechten, setzt neue Bewertungen kurz aus und informiert den Inhaber.
Ein paar Zahlen, die die Dimension zeigen
Google hat in dem Post auch offengelegt, wie groß das Problem mit Fake-Content auf Maps insgesamt ist. Die Zahlen aus 2025:
- Über 1 Milliarde geteilte Bewertungen
- 292 Millionen regelwidrige Bewertungen blockiert oder entfernt
- 79 Millionen fehlerhafte oder unbestätigte Profil-Änderungen geblockt
- 13 Millionen gefälschte Unternehmensprofile gelöscht
- Mehr als 782.000 Accounts, denen das Bewerten untersagt wurde
Das ist keine Nebenbaustelle. Das ist ein Kampf gegen Manipulation in industrieller Größenordnung.
Warum wir das feiern
Wir bei ReviewForest arbeiten jeden Tag mit Unternehmen zusammen, die es ernst meinen mit ehrlichem Feedback. Unternehmen, die nicht tricksen wollen. Die wissen, dass authentische Bewertungen, die positiven wie die negativen, langfristig der einzige Weg sind, echtes Vertrauen aufzubauen.
Transparenz-Banner auf Profilen, die Bewertungen haben löschen lassen, sind für uns ein überfälliger Schritt. Endlich wird der Unterschied sichtbar zwischen Unternehmen, die ihre Kritik aushalten, und solchen, die jede negative Stimme wegklagen lassen.
Für alle, die ihre Bewertungen ohnehin fair sammeln, heißt das: Das Umfeld wird ehrlicher. Das Profil des Mitbewerbers, der seit Jahren jede 1-Stern-Bewertung anfechten lässt, sieht plötzlich nicht mehr so sauber aus wie zuvor. Und eure echten, ehrlichen Bewertungen gewinnen im Vergleich an Gewicht.
Kurz: ein guter Tag für alle, die ehrlich spielen.